Seit Jahrzehnten tragen Frauen die Gesellschaft – sichtbar und unsichtbar. Dass sie „systemrelevant“ sind, ist eigentlich keine neue Erkenntnis. Aber wenn diese Wahrheit endlich ihren Weg in die öffentliche Debatte findet, lohnt sich eine Frage besonders: Welche Schlussfolgerungen ziehen wir Frauen daraus für uns selbst?
Inhaltsverzeichnis
Frauen als tragende Säule der Gesellschaft
Die Erkenntnis, dass Frauen systemrelevant sind, ist nicht neu.
Aber es ist bemerkenswert, dass diese Tatsache zunehmend öffentlich anerkannt wird.
Frauen erfüllen seit jeher Aufgaben, ohne die die Menschheit nicht existieren würde – biologisch, sozial, kulturell. Das klingt trivial, aber es ist die Grundlage jeder Gesellschaft.
Ein Blick in die Geschichte: Nachkrieg, Wiederaufbau und der „goldene Käfig“
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem Frauen, die:
- Kinder geboren und versorgt haben
- die Infrastruktur aus den Trümmern wiederaufgebaut haben
- die rückkehrenden Männer gepflegt haben
- ganze Familien durch harte Jahre getragen haben
Und zur „Belohnung“ fanden sich viele von ihnen – zumindest äußerlich – in einem bequemen, neu aufgebauten Zuhause wieder.
Ein Ort der Erholung, ja. Aber auch ein Ort der Begrenzung.
Diese Rollenbilder haben sich ungewollt über Jahrzehnte verfestigt.
Wie Rollenbilder entstanden – und warum sie bis heute wirken
Viele Frauen haben sich lange Zeit auf die Rolle als Mutter und Ehefrau zurückgezogen.
Nicht, weil dies bewusst ihr Lebensplan gewesen wäre, sondern aus gesellschaftlicher Dynamik heraus.
Klug war, wer früh erkannte, welche Folgen es hätte, wenn Frauen nach dem Wiederaufbau beruflich gleichberechtigt geblieben wären.
Es entstand ein System, das scheinbar Anerkennung schenkte, gleichzeitig aber Abhängigkeit erzeugte.
Frauen im Arbeitsmarkt: Präsenz ja, Anerkennung nein
Frauen waren nie wirklich weg vom Arbeitsmarkt.
Pflege, medizinische Versorgung, Betreuung, Verkauf – Frauen prägten diese Bereiche durchgehend.
Und doch:
- weniger Lohn
- weniger Aufstiegschancen
- weniger Einflusspositionen
Bis heute.
Warum Frauen oft weniger verdienen
Ein Teil der Antwort liegt in gesellschaftlichen Strukturen.
Ein anderer Teil jedoch – und das ist der unbequeme – liegt darin, wie Frauen sich selbst im Arbeitsmarkt präsentieren.
Viele Frauen:
- stellen ihre Qualitäten nicht klar heraus
- vermarkten ihre Stärken ungern
- halten Selbstbewusstsein oft für „Aufschneiderei“
- lehnen männliche Formen der Selbstpräsentation ab
Männer überdecken Unsicherheiten häufig mit größerer Geste.
Frauen ziehen sich in Unsicherheit eher zurück.
Beides sind Muster – keines davon ist „besser“.
Aber beide haben Konsequenzen.
Der Applaus – und was er nicht ersetzt
Frauen erhielten in den letzten Jahren viel symbolischen Applaus – besonders in Krisenzeiten.
Doch Applaus ersetzt nicht:
- faire Bezahlung
- Anerkennung
- Einfluss
- Entscheidungsfreiraum
- Möglichkeiten zum Aufstieg
Darum stellt sich jede Frau die Frage:
Reicht mir Klatschen – oder will ich Wertschätzung, die trägt?
Der USP jeder Frau: Warum er entscheidend ist
Im Marketing sprechen wir vom USP – dem Alleinstellungsmerkmal.
Für Frauen bedeutet das:
- sich ihrer eigenen Qualitäten bewusst zu werden
- diese klar und sichtbar zu kommunizieren
- nicht nachzuahmen, was Männer tun
- sondern die eigene Besonderheit zu nutzen
Viele Frauen haben hier noch großes Potenzial – und das ist die gute Nachricht.
Denn Potenzial bedeutet Möglichkeit.
Wie Frauen ihre Position stärken können
Nicht durch Vergleich.
Nicht durch Konkurrenz.
Nicht durch Anpassung.
Sondern durch:
- Selbstkenntnis
- Selbstbewusstsein
- Selbstverantwortung
- und das klare Kommunizieren eigener Kompetenzen
Veränderung entsteht immer von innen heraus – niemals durch Erwartung an die Umwelt.
Ein ehrlicher Blick auf Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen
Männer sind keine Gegner.
Frauen auch nicht.
Beides sind Menschen mit Stärken und Unsicherheiten.
Der Schlüssel liegt in Ergänzung, Respekt und Klarheit.
Und Klarheit beginnt immer bei einem selbst.
Ich wünsche Ihnen Kraft, Mut und Neugier –
um Ihren eigenen USP zu erkennen und zu leben.
Ihre
Agnes Martin-Dulemba